Mathematische Grundlagen des maschinellen Lernens
Ankündigungstext der Vorlesung
Veranstaltungsart:
Spezialvorlesung, 2-stuendig
Veranstalterin:
Dr. Ulrike von Luxburg vom
Max Planck Institut fuer
Biologische Kybernetik
Zeit: Mi 12:30 -14 Uhr
Raum: Hoersaal M1, Mathebau, Morgenstelle
Turnus: unregelmaessig
Vorwissen: Vordiplom
English announcement, list of topics and references as
pdf file.
Maschinelles Lernen beschaeftigt sich mit der Frage, wie ein Computer
selbstaendig "lernen kann", bestimmte Aufgaben zu erfuellen. Die Idee
ist, dass man einem Computer "Beispiele" dieser Aufgaben vorfuehrt,
und er dann selbstaendig Regeln ableitet, nach denen er solche
Aufgaben in Zukunft ausfuehren kann. Ein bekanntes Beispiel dafuer
sind Spam Filter: wir moechten einen Spam Filter so trainieren, dass
er Spam Emails erkennen kann. Dazu klassifizieren wir eine
"Trainingsmenge" von Emails als "Spam" oder "Nicht Spam" und geben
uebergeben sie dem Spam Filter. Dieser soll nun mit Hilfe eines
"Lernalgorithmus" Regeln konstruieren, nach denen er zukuenftige
Emails klassifizieren kann. Das Ziel ist natuerlich, dass der Filter
nicht nur die emails aus der Trainingsmenge richtig klassifizieren
kann; er soll auch fuer bisher noch ungesehene Emails zuverlaessig
entscheiden koennen, ob es sich um Spam handelt oder nicht.
Im Gebiet des Machinellen Lernens wird untersucht, wie man solche
Lernalgorithmen konstruieren kann und welche Erfolgsgarantien man
anschliessend abgeben kann. Mathematisch kann man einen
Lernalgorithmus oft so beschreiben, dass eine bestimmte Funktion
geschaetzt werden soll. Im Beispiel des Spam Filters haben wir
bestimmte "Stuetzstellen" der Funktion gegeben (unsere
Trainings-Emails), und wollen daraus eine Funktion konstruieren, die
auf dem Raum aller Emails definiert ist. Die Frage ist nun, wie man
das so machen kann, dass der Gesamtklassifikationsfehler so klein wie
moeglich ist. Erschwert wird das ganze dadurch, dass wir uns die
Stuetzstellen oft nicht aussuchen koennen, sondern sie durch einen
zufaelligen Mechanismus erzeugt werden.
In dieser Vorlesung werden wir verschiedene Lernalgorithmen kennen
lernen. Der Schwerpunkt der Vorlesung liegt auf den mathematischen
Grundlagen des maschinellen Lernens:
- Welche Aufgaben kann man prinzipiell mit Hilfe des Maschinellen
Lernens loesen, welche nicht?
- Welche Annahmen muessen wir machen?
- Welche Eigenschaften muss ein Lernalgorithmus haben, damit er
"erfolgreich" ist?
- Was fuer Garantien koennen wir ueber die Vorhersagen eines
Lernalgorithmus treffen?
- Wie gross muss die Trainingsmenge sein, damit wir eine
bestimmte Vorhersagegenauigkeit erreichen koennen?
Um diese und aehnliche Fragen zu beantworten, benoetigen wir
mathematische Methoden aus verschiedenen Gebieten:
Wahrscheinlichkeitstheorie, Funktionalanalyis, Lineare Algebra,
Optimierungstheorie. Als Vorwissen genuegt das Vordiplom, die
Vorlesung setzt kein Spezialwissen voraus.
Maschinelles Lernen ist eine sehr junge und lebendige Disziplin, in
der Wissenschaftler aus vielen verschiedenen Gebieten (Mathematik,
Informatik, Physik, Biologie) taetig sind. In der Praxis wird
maschinelles Lernen sehr viel verwendet, zum Beispiel in
medizinischen, biologischen und industriellen Anwendungen. Aus diesem Grund richtet sich diese
Vorlesung sowohl an Studierende, die einen Einblick in ein aktives
Forschungsgebiet erhalten wollen, als auch an solche, die
praxisrelevantes Wissen fuer Ihr spaeteres Berufsleben erwerben
wollen.
Last modified: Wed Nov 14 17:40:30 CET 2007